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Hat jeder einen Kern?

  • norbertlanter
  • 22. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Warum es keine einheitliche Antwort gibt – und genau darin die Schönheit liegt.


Manchmal höre ich die Frage: «Gibt es den Kern wirklich – oder ist das nur eine Metapher?»

Oft schwingt eine Verunsicherung mit: Wenn es ihn gibt, habe ich dann auch einen?

Ich glaube: Ja, jeder Mensch hat einen Kern. Aber wir erleben ihn unterschiedlich.

Nüsse in Gruppe

Unser Kern zeigt sich nicht in Konzepten oder idealisierten Wertvorstellungen, sondern in Momenten, in denen etwas in uns ganz still, ganz wahr wird. Diese Momente lassen sich nicht vergleichen. Denn jeder Mensch schaut durch den eigenen Resonanzraum, geprägt von seiner Geschichte, seinen Erfahrungen und inneren Bildern.


Gerade deshalb

kann man den Kern nicht erklären wie ein Modell. Man kann ihn nur erfahren – und im Laufe der Zeit eine persönliche Beziehung zu ihm entwickeln. So gesehen gibt es nicht den Kern, sondern das persönliche Kernbewusstsein: ein inneres Spüren, das mit uns wächst, sich wandelt, vertieft.


Den inneren Raum «möblieren»

Mein Doktorvater, Werner Müller, sprach gern davon, dass wir unser Bewusstsein «möblieren». Ich mag dieses Bild, auch wenn es auf den ersten Blick etwas technisch klingt. Denn es beschreibt etwas sehr Lebendiges: Wir gestalten den inneren Raum selbst. Wir wählen, was wir hineinstellen – an Gedanken, Konzepten, Praktiken oder Haltungen, die uns entsprechen.

Ein Mensch mag dort Meditation, Achtsamkeit oder Gebet verankern. Ein anderer vielleicht Musik, Bewegung oder Naturerfahrungen. Wieder ein anderer findet durch Schreiben, Begegnung oder Stille den Zugang zu seinem Kern. Alles darf Platz haben – solange es stimmig ist und Verbindung schafft.

 

Auch Werte gehören zu dieser «Möblierung». Sie geben dem inneren Raum Struktur und Orientierung. Doch sie ersetzen nicht den Raum selbst. Erst in der Verbindung mit dem Kern werden Werte lebendig, tragfähig und nicht bloss zu wohlmeinenden Leitplanken.

So entsteht ein Kernraum, der lebendig ist, sich mit uns verändert und uns auf eigene Weise trägt. Unterschiedliche Sichtweisen bereichern diesen Raum. Sie sind Ausdruck der Vielfalt des Lebens selbst.


Die Einladung

Für mich ist das Entscheidende nicht, wie jemand den Kern versteht, sondern dass er sich aufmacht, ihn zu entdecken. Denn dort, wo jemand aus seinem Kern lebt, wird das Leben stimmig – auf ganz persönliche Weise.


Darin liegt die eigentliche Spannung dieses Themas: dass wir alle unser persönliches Kernbewusstsein entwickeln und es dann auf unsere Weise mit Leben füllen können – durch das, was uns selbst berührt und weiterbringt.

 

 




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