Herz und Kern – zwei Wege zur inneren Kohärenz
- norbertlanter
- vor 2 Tagen
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Unter Druck entscheidet sich, ob wir reagieren – oder bei uns bleiben.

Wer unter Druck steht, kennt das Phänomen: Der Atem wird flach, die Gedanken kreisen, der innere Fokus zerfällt. In Prüfungen, Präsentationen oder schwierigen Gesprächen verlieren wir rasch den Kontakt zum Kern – und das Ego übernimmt die Führung.
Mein Netzwerkkollege Claude Heini beschreibt in seinem Buch «Auf Knopfdruck runterkommen» die Herz-Kohärenz-Methode als einen konkreten Weg, diesen Zustand zu verändern. Sie arbeitet mit dem physischen Herz, mit rhythmischer Atmung und mit der bewussten Aktivierung positiver Emotionen. Ziel ist ein kohärenter Zustand im Zusammenspiel von Herz, Gehirn und Nervensystem.
Physiologisch geschieht dabei spürbar etwas: Die Herz-Kohärenz aktiviert die parasympathische Regulation. Der Körper schaltet von Alarm auf Stabilisierung. Erst dieser Wechsel öffnet den Zugang zu Dankbarkeit, Verbundenheit und prosozialem Erleben frei. Das sind keine moralischen Ideale, sondern neurobiologisch begünstigte Zustände.
An diesem Punkt berühren sich sein Ansatz mit meinem Verständnis des Kerns.
In meinem Buch spreche ich von der «sanften Energie des Kerns». Gemeint ist damit keinen anatomischen Ort, sondern einen inneren Referenzpunkt. Aus ihm heraus entstehen Milde, stille Freude, Dankbarkeit oder das Empfinden von All-Einssein. Der Kern ist für mich eine existenzielle Metapher für innere Stimmigkeit.
Während die Herz-Kohärenz messbar ist, bleibt der Kern sprachlich ein Platzhalter. Doch die Erfahrung ähnelt sich in ihrem Wesen. Wenn der Körper aus dem Stressmodus in Regulation findet, wird der Zugang zu innerer Kohärenz spürbar. Das ist nicht nur ein mentaler Vorgang. Jede innere Klärung zeigt sich im Atem, im Ton, im Blick – und in der Art, wie wir einem Menschen begegnen.
Über die Regulation des Nervensystems entsteht ein Zustand, in dem jene Qualitäten erfahrbar werden, die ich dem Kern zuschreibe. Der physiologische Weg und der existenzielle Zugang widersprechen sich nicht. Herz und Kern sind keine konkurrierenden Begriffe – sie ergänzen sich. Sie markieren zwei Perspektiven auf denselben Prozess: innere Kohärenz herstellen und aus ihr heraus bewusst handeln.
Mehr dazu im Buch Zurück auf die eigene Spur – Kernstücke für ein stimmiges Leben.
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